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- Barcelona - Ein Reisebericht 2006

- Reise nach Kerala / Südindien 2003

- Hochtouren im Ötztal und in der Bernina 2003

- Wintertrekking in Nepal (1999/2000)

Barcelona – ein Reisebericht 2006

 Fliegen kann man ab Berlin bestimmt günstiger. Wir haben sehr spät gebucht und bezahlen für zwei Personen, Hin- und Rückflug inklusive. Aller Steuern und Zuschläge knapp über 500,- €. Der Zubringerbus bringt uns direkt von vor der Ankunftshalle in knapp zwanzig Minuten für knapp vier Euro pro Person direkt zur zentralen Placa Catalunya, dem quirligen Mittelpunkt der katalanischen Metropole. Taxis kosten fast soviel wie in Deutschland. Mit einem solchen kommen wir schließlich in unser Quartier. Das „Marina“ gehört ur H10 Gruppe und hat den Vorteil etwas östlich der Altstadt, genau zwischen Ramblas, dem zentralen Boulevard und dem Meer zu liegen. Zu Fuß sind es zehn Minuten bis zu den großzügigen Sandstränden mit den zahlreichen Restaurants und Amüsierbetrieben und vielleicht zwanzig Minuten bis in die Altstadt. Ein erfahrener Städte-Erwanderer kann überhaupt das meiste zu Fuß erledigen. Für sieben Übernachtungen zahlen wir in dem modernen und professionell geführten Vier-Sterne Haus  500,- €. Allerdings sollte man dieses, oder andre Häuser in einem Reisebüro über Neckermann oder einen anderen größeren deutschen Reiseveranstalter buchen, wenn man nicht zu den erfahrenen Internet - Schnäppchenjägern  gehört. In Barcelona kann man leicht ein Vielfaches für ein gutes Hotelzimmer ausgeben. Große Reiseveranstalter buchen große Kontingente und geben die Preisvorteile teilweise an ihre Kunden weiter. Das Marina hat ein fantastisches großes Frühstücksbuffet, einen Dachpool (10-18 Uhr), ein sehr gutes Wein-Angebot und u.a. auch einen freien Internetzugang im Business Center.

 Der erste ausgedehnte Spaziergang am Nachmittag führt zum Olympischen Hafen mit zwei markanten Hochhaustürmen und von dort entlang am Meer in den altertümlich authentisch gebliebenen Stadtteil Barceloneta. Eine erste kleine Bekanntschaft, ein Brite der seit zwanzig Jahren hier lebt versichert mir, dass es in Katalonien m Gegensatz zum Rest Spanien kaum eine Tradition der Siesta gebe. Trotzdem ist gegen vier, fünf Uhr auf den Straßen, die nicht ausschließlich von Touristen bevölkert werden wenig los. Hier in Barceloneta gibt es eine große traditionelle Markthalle, die gerade komplett ne im alten Stil rekonstruiert wird. In dem Ersatzzelt gibt eine kernige alte Marktfrau auf meine geradebrechte rage nach traditionelle Gastronomie in einer Mischung aus Spanisch und Katalanisch gerne Auskunft. In der Cale del Baluard öffnen ab ca. 19 Uhr einige, teils außen nicht markierte Straßenrestaurants, in denen sich überwiegend Einheimische  schmackhafte, häufig wechselnde Lokalgerichte in eher kleineren Portionen servieren lassen. „Can Manu“ (Cale Baluard 12, 8-17 und 20-23 Uhr, z.B. delikate Gambas für 12 Euro)  und „……“ sind einfache Bodegas mit alter, etwas abgewetzter Einrichtung. Muscheln gibt es hier für fünf, eine große Portion Sardinen für 3,80 und eine „Bomba“, ein Kartoffelbreibällchen mit Knoblauch- und scharfer Soße für 1,20 Euro. Knoblauch- oder Tomatenbrot sollte man unbedingt dazu bestellen. Der Ehefrau schmeckte das alkoholfreie einheimische Bier, mir der einfach weiße Hauswein. Zwei Erwachsene wurden für 21,- Euro reichlich gesättigt. Schon über die einfache Frage nach dem Namen eines Gerichtes kommt man mit Einheimischen und anderen Touristen schnell in Gespräch. Wir durften sogar von anderen Tellern kosten. Wer es teurer und stilistisch anders mag: Zahllose Restaurants gibt es nicht nur in der Stadt, sondern wie gesagt auch direkt am Meer. Vom Menü für zehn Euro, bis zu exquisiten Gaumengenüssen (Seebrassen für über fünfzig Euro) ist alles zu haben.

 Vorher noch ein ausführlicher Rundgang über das riesige Hafenareal und ein erster Blitzbesuch im Museu d´historia de Catalunya. Dort laufen derzeit große Ausstellungen zur Geschichte und den Hintergründen des Spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939). Jahrzehntelang wurde dieser grausame Bruderkrieg todgeschwiegen. Erst jetzt, nach dem weitgehenden Aussterben der beteiligten Generationen wird das nationale Drama aufgearbeitet. Am Hafen kann man Hunderte von Segeljachten und einige gewaltige Privatkreuzer, wie auch auf der Reede die großen „Pötte“ bewundern. Cine Imax, Aquarium,  Einkaufszentrum und andere Freizeitstätten erreicht man über die Rambla de Mar, eine schicke Holz- und Stahlbrücke für Fußgänger. Der gesamte Seefrontbereich wurde schon 1992 zur Olympiade komplett umgestaltet und stets in Schuss gehalten. Dazu gehört auch, dass die armen afrikanischen Immigranten, die versuchen irgendwelchen Kram an die Touristen zu verkaufen, von gelegentlichen Polizeistreifen eher lustlos hin und her gescheucht werden.

 Bald haben wir schon gelernt. Nicht zu spät Frühstücken, damit man gegen zwei, drei Uhr rechtzeitig zur Siesta wieder im Hotel ist. Viel Obst und Flüssigkeit, da es auch im Juni schon sehr warm werden kann. Aber insgesamt ein gutes Fundament legen, damit - abgesehen von einem kleinen Imbiss zwischendurch - erst gegen Abend warm gegessen werden kann. Erstes Ziel: Das Wahrzeichen Barcelonas, die seit 1882 im Bau befindliche Kathedrale von der Heiligen Familie, der „Temple de la Sagrada Familia“. Atemberaubend die neorealistische, naturalistische Architektur des Katalanen Gaudi, der den Bau 40 Jahre lang von 1883 bis 1926 leitete und ihm, wie so vielen anderen baulichen Perlen der Stadt seinen Stempel aufdrückte. Dali, Hundertwasser und viele andere haben sich von ihm inspirieren lassen. Das Bauwerk verschlägt einem den Atem, auch wenn es noch dreißig Jahre dauern soll, bis es endgültig fertig sein soll. Für seinen Besuch, die hervorragende Dokumentation im angefügten Museum und den Kunstgenuss, insbesondere bei der Betrachtung der Passions- und der Geburtsfassade sind acht Euro Eintritt akzeptabel. Hier kann man leicht einen halben Tag verbringen. Es ist ein ergreifendes Gefühl einmal tatsächlich beim Bau einer Kathedrale dabei sein zu dürfen. Etwas, das sonst nur die Menschen des Mittelalters erleben konnten und sich davon erheben ließen. Detailliert erfährt man, wie sich Gaudi von Bäumen und der Natur im Allgemeinen für seine Architektur belehren ließ. Es verwundert heute, dass die als reaktionär verschriene katholische Kirche der Vorkriegs- und Franko Ära ein solch modernes, wegweisendes und lebensfrohes Bauwerk trug. Nur in der Zeit von Revolution und Bürgerkrieg ruhte der Bau.

 Nachmittags und bis in den Abend hinein ein erster ausgiebiger Spaziergang in die große, von hunderten Gässchen durchzogene Altstadt, besonders in das „gotische Viertel“. Faszinierend die gewaltige Kirche „Santa Maria del Mar“ aus reinster Gotik. Die gewaltigen schlanken Säulen wurden mit den Bauwerkzeugen des Mittelalters errichtet, nicht mit den modernen Maschinen, die den Nachfolgern Gaudis zur Verfügung stehen. Immer wieder wird des Wirrwarr der kleinen Sträßchen von Plätzen und größeren Straßenzügen unterbrochen. Stadtplan und Führer unerlässlich. Am s lässt einfachsten lässt man sich erst einmal treiben. Alles ist belebt, voll und trotzdem angenehm und friedlich. Menschen aus aller Herren Länder bevölkern Bänke und die zahllosen Restaurants bis tief in die Nacht. Für ein gutes Menü muss man selbst hier nicht mehr als zehn Euro ausgeben.

 Barcelona Bus Turistic heißt das offizielle Busunternehmen, dass mit seinen grünen Bussen drei große Rundtouren durch die Stadt befährt. An zahlreichen Stellen kann man aus den oben offenen Doppeldeckern aussteigen und flanieren. In kurzen Abständen kommt schon wieder der nächste Bus und man kann die Tour fortsetzen. Eine ausführliche Broschüre beschreibt die endlose Zahl von Sehenswürdigkeiten an den verschiedenen Punkten. Allein für die große „blaue“ Tour darf man getrost mindestens einen Tag einplanen. Sie führt unter anderem auf den Montjuic, den Hausberg Barcelonas mit seinen ausgedehnten Grüngebieten, dem Olympiagelände von 1992, mehreren Museen und Aussichtspunkten. Diese, die „rote“ und die „grüne“ Tour lassen sich beliebig kombinieren und überschneiden sich an vielen Stellen. Man gewinnt durch sie einen echten Überblick und ein erstes Gefühl für die katalanische Metropole. Wo es einem gefühlsmäßig gefällt, da bleibt man einfach oder kommt später zurück. Bei einem Stopp in einem Cafe oder einer der zahllosen Tappaserias oder Cerveserias kann man dann ruhig den Stadtführer studieren. Subjektive Tipps: Die kurze „grüne“ Tour führt durch viele neue architektonische Errungenschaften des modernen Barcelonas. Den Friedhof Cementiri del Poblenou sollte man aber besuchen. Ein schönes Beispiel für einen südeuropäischen „Schubladenfriedhof“. Auf der „roten“ Tour sollte man weit oben in den Hügeln, die Barcelona umgeben im ehemals eigenständigen Ortsteil Sarria aussteigen. Hier ist man eher in einem normalen spanischen Ort und es geht weniger hektisch zu als im Rest der Metropole. Sehr hübsche Geschäfte und einige sehr typisch spanische Restaurants und Imbisslokale an der Hauptgasse laden ein. Auch der nächste Stopp, das Kloster Monestir de Pedralbes lohnen ein Verweilen. In der typischen Tappas Bar kann man zwischen diversen kleinen Tellergerichten wählen und diese nach Belieben kombinieren. Aber nie die Siesta vergessen. Zwischen 14 und 17 Uhr sind viele Geschäfte geschlossen.

 Die Jüngeren, Einheimische und eine Heerschar von Vergnügungssüchtigen aus ganz Europa zieht es gegen Abend eher an die seaside. Dort finden sich viele der Diskotheken, die Barcelonas Nachtleben berühmt machen. Und am Morgen danach kann man sich am Strand in einer milden Seebrise ausschlafen oder wahlweise ausnüchtern. Aber auch die vielen anderen „hotspots“ der Großstadt lassen sich mit der hervorragenden Infrastruktur an Busen, Bahnen und Tram gut erreichen..

 Einen halben Tag haben wir für das Museu d´Historia de Catalunya reserviert. Neben der Dauerausstellung zur katalonischen Geschichte von der Vorzeit bis zur Gegenwart gibt es auch aktuelle Ausstellungen zu diversen Themen. 75 Jahre Republik und der 70. Jahrestag des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs sind derzeit die großen Themen. Wenn man bedenkt, dass der Bürgerkrieg fast sechzig Jahre lang todgeschwiegen wurde, um schmerzende Wunden nicht auf zu reißen, so wundert man sich schon ein wenig über die Selbstverständlichkeit, mit der das Thema heute präsentiert wird. Einen ganzen Tag schließlich sollte man für einen Besuch des Montserrat, des Heiligen Berges der Katalonier einplanen. Mit der Regionalbahn vom Placa d´Espanya sind es gut eine Stunde zu dem Sandsteinmassiv mit den gewaltigen Klosteranlagen, die nur mit Hilfe von weiteren Zahnradbahnen in kürzerer Zeit zu erreichen sind. Hier findet sich auch die Schwarze Madonna und die ganz Gegend ist legendenumrankt. Auch ein schöner Einblick in die, Barcelona umgebende Landschaft, die man sonst wegen der Hügelketten zwischen Meer und Umland nicht sehen kann.

 Noch ein Tipp zum Bummeln? Die Creu Coberta zwischen Pl. Espana und Pl. De Sants ist eine beliebte und quirlige Geschäftsstraße mit vielen ungewöhnlichen Läden. Mein Favorit: Siscart (Nr. 123), ein Korbwarengeschäft mit tausenderlei ungewöhnlichen Kleinigkeiten. Aber auch zahllose Modegeschäfte und eine wunderschöne große Markthalle (nicht die katalanischen Stock. Auch die Straßen am Rande der Altstadt in der Nähe des Schokoladenmuseums und des Triumphbogens, das sogenannte Gothische Viertel, laden zum ausgiebigen Schlendern ein.

 Barcelona: Nicht so chaotisch wie Rom, eben etwas nüchterner. Visuell oft mit Wien zu vergleichen, aber eben doch viel südländischer. Sauber, eine fantastische Infrastruktur, tolle Strände direkt am Rande der Metropole Selten hat man das Gefühl ausgenommen  zu werden. Allemal eine Reise Wert.

  

Zu Besuch in Südindien – Kerala, die grüne Symphonie (Dezember 2003)

Ist der südindische Bundesstaat Kerala, das Bayern Indiens? Der Vergleich mag manchem etwas gewagt erscheinen. Ein junger nordindischer Tourist, mit dem ich mich in Kerala über den „Kulturschock Indien“ unterhalte, den jeder Europäer bei seinem ersten Besuch erlebt, scheint jedoch das Besondere zu bestätigen. Für ihn sei die Reise nach Kerala ein Kulturschock im eigenen Land. „Alles funktioniert hier so gut, es ist so unglaublich grün und sauber und die verschiedenen Religionsgruppen liegen auch nicht im Streit, wie anderswo.“

Für den Besucher aus der westlichen Welt bleibt zwar auch bei einem Besuch an der Malabarküste der „Kulturschock“ nicht aus. Zu chaotisch auch hier der Verkehr, zu schmutzig (oft) das Straßenbild, zu krass die sozialen Unterschiede, zu offensichtlich Korruption  und Schlendrian, zu fremdartig die hinduistische Mehrheitskultur und zu frustrierend die Umweltverschmutzung und der Raubbau an der Natur. Aber im Vergleich zu anderen Landesteilen des Subkontinentes kommt all dies sehr  abgemildert daher. Man gibt sich Mühe „die grüne Symphonie Kerala“ wenigstens für die Besucher aus dem eigenen Land und aus Übersee attraktiv zu erhalten und bietet eine ordentliche touristische Infrastruktur. Für den, der Indien schon immer einmal besuchen wollte und das kleine Abenteuer nicht scheut, ist Kerala - nicht nur wegen der landschaftlichen Schönheiten - besonders geeignet.

Der „kleine“ Bundesstaat fast an der südlichsten Spitze Indiens hat etwa vierzig Millionen Einwohner. Fast eine Milliarde Menschen, bald mehr als in China, dürften es inzwischen in ganz Indien sein. Ungewöhnlich hoch ist in Kerala der Anteil der (überwiegend katholisch- oder katholisch unierten) Christen von über zwanzig Prozent der Bevölkerung und der etwa gleich hohe Anteil von indischen Muslimen. Nirgendwo gibt es in Indien mehr Christen. Nicht wenige Hindus erklären das gute Funktionieren Keralas damit, dass hier christlicher und islamischer Arbeits- und Organisationsethos in Verbindung mit einer hohen Bildung durch Missionsschulen positiv wirke. Als im 15. Jahrhundert die ersten portugiesischen Entdecker an der „Pfefferküste“ landeten, stellten sie erstaunt fest, dass es dort schon Christen gab. Diese sogenannten „Thomas-Christen“ waren der Legende nach Nachkommen des Apostel Thomas, den es hierher verschlagen haben soll. Sein Heiligtum kann man bis heute besuchen. Tatsächlich waren es wohl Syrer, die erstmals diese Überlieferung und die Frohe Botschaft nach Indien gebracht haben. Die europäische Mission hatte  - wie so häufig – zwei Gesichter. Zum einen rücksichtslose Ausbeutung durch die europäischen Kolonialmächte, zum anderen das Wirken wahrer Heiliger, die den neuen Glauben nachhaltig verankern konnten. Das indische Christentum (landesweit nur cirka zwei Prozent), das einem in Kerala auf Schritt und Tritt mit farbenfrohen Kirchen und sonntäglichem Feuerwerk begegnet, zeigt sich selbstbewusst und lebendig, aber auch nicht übermäßig missionarisch. Die Hindus sehen es hier relativ gelassen und erklären die Christen, wie auch anderswo in Indien einfach zu einer eigenen Kaste mit entsprechenden sozialen Abstufungen, um sie besser in das eigene religiöse System einordnen zu können. Das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen gestaltet sich weitgehend problemlos und ich konnte selber erleben, wie ein ganztägiger Generalstreik auch von Christen und Muslimen befolgt wurde, nachdem sich die Polizei bei einer hinduistischen Wallfahrt Übergriffe gegen Pilger erlaubt hatte. Die hinduistischen Nationalisten haben bislang in Kerala keine großen Erfolge erzielen können. Ebenso wenig scheint es einen fundamentalistischen Islamismus zu geben. Stattdessen gibt es hier noch immer eine relativ starke „kommunistische“ Partei, die man aber nach unseren Kriterien eher als sozialdemokratisch bezeichnen müsste und die in staatliche Korruption und Vetternwirtschaft nicht weniger verwickelt ist als andere Gruppen und Institutionen.

Drei internationale Flughäfen kann der Bundesstaat vorweisen: Kozhikode, Cochi / Ernakulam und Thiruvananthapuram (Trivandrum). Das ist ein Rekord und man träumt schon vom vierten, obwohl der Standart internationaler indischer Airports weit hinter unseren Erwartungen zurückbleibt. Die meisten internationalen Verbindungen erfolgen aus Europa und den USA via Persischem Golf. Schon im Flugzeug von Kuwait in die Hauptstadt Trivandrum ist man unter Indern, die in den reichen Golfstaaten arbeiten und sich auf Heimaturlaub begeben. Die klassischen Reiseziele in Kerala kombiniert der westliche Besucher zumeist zu einem Erholungs- und Erlebnisurlaub. Normalerweise besucht man zunächst die Hauptstadt Trivandrum mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten und den „Badeort“ Kovalam, der sechzehn Kilometer (und 125 vorher vereinbarte Rupies mit der Motorrikscha) von Trivandrum entfernt liegt. Von dort aus ist ein Besuch der „Backwaters“ Pflicht. Das ist eine fast einhundert Kilometer lange malerische Lagunen- und Flusslandschaft zwischen Kolam und Alapuzzha (Alepy), auf der mehrere hundert historische Hausbote für Touristen verkehren. Eine Tagestour mit Übernachtung und eigener Crew gehört zu dem mit Abstand teuersten, aber auch erlebnisreichsten, das man sich bei einem Besuch in Kerala gönnen sollte (zwischen 6000 und 8000 Rupies, also ab ca. 130 Euro für zwei Personen). Stunde um Stunde gleitet man auf fast mystagogische Weise an Reisfeldern und anderen malerischen Landschaften durch die Kanäle und Wasserarme. Von Kottayam in der Nähe Alepys geht es mit dem Bus (Bus ca. 100 Rupies pro Person) in etwa vier Stunden in halsbrecherischer Fahrweise in die Berge. Alternativ mietet man ein Taxi für etwa 1.500 Rupies pro Wagen und kann den Fahrer wirkungsvoller zu vorsichtigerem Fahren ermahnen. (Allerdings ist ein Bus bei einem Zusammenprall stabiler!) Entfernungen werden in Indien in Stunden, nicht in Kilometern angegeben und das Fahren mit öffentlichen Bussen, sollte nur wagen, wer nicht allzu empfindlich ist oder Demut, das Fürchten und das Gebet lernen möchte.

Die „Western Ghats“ sind ein Gebirgszug, der sich etwa hundert Kilometer von der Küste entfernt fast nahtlos von der äußersten Südspitze des Subkontinents bis zum nordindischen Gujarat entlang zieht. Nur an wenigen Stellen öffnen sich Durchbrüche zum zentralen südindischen Hochplateau, dem geschichtsträchtigen Dekan. Die beiden Enden eines solchen großen Durchbruches liegen in, beziehungsweise am Rande von Kerala. Das sind weiter nördlich die Nilgiri Berge und südlich das Massiv, das bei Munnar (1.524 m)  mit dem Anamudi den höchsten Gipfel Südindiens (2.695 m) aufweißt. Hier und noch etwas weiter südlich finden sich auch zwei der bedeutendsten Nationalparks.  Im Periyar (auch genannt Thekkady und Kumily) Nationalpark leben auf fast achthundert Quadratkilometern bis heute Elefanten, Tiger und viele andere Tierarten, die ansonsten nicht mehr in freier Wildbahn vorkommen und selbst hier nur mit Glück zu entdecken sind. Im Periyar Nationalpark besteht aber die Möglichkeit bei Trekkingtouren oder vom Boot aus, bei einer Fahrt über den künstlichen Stausee, das Treiben im Dschungel und am Ufer zu beobachten. Im kleineren Eravikulam Nationalpark, in dessen Mittelpunkt der Anamudi liegt, begrüßen einen die seltenen Niligiri Thars, eine rare indische Bergziegenart. In Periyar kann man sogar auf dem Parkgelände in guten Mittelklassehotels (um 1.500 Rupies für ein DZ) übernachten. Vorsicht vor den Affen, die einen äußerst frech bis ins Zimmer hinein verfolgen! Wie überall darf man sich auch hier nicht wundern, dass wohlhabende Inder zwar nicht bis tief in die Nacht, aber doch gerne in voller Familienstärke lautstark feiern. Und das, obwohl der Ausschank von Alkohol nur in wenigen Hotels lizenziert ist.

Die ganze malerische Bergregion Keralas ist geprägt durch den Anbau von Kardamom, Pfeffer, Kaffee und riesigen, nicht enden wollenden Teeplantagen, in denen die unerschöpfliche Anzahl von Menschen ihre teilweise äußerst harte Arbeit verrichtet. An den sorgsam gepflegten Teeplantagen mag man sich kaum satt sehen. Wer sich zudem etwas Mühe gibt und hartnäckig im Hotel nachfragt, bekommt meist schnell Kontakt zu interessanten Menschen, denen nicht nur am indischen Massentourismus, sondern an der Förderung von Qualitätstourismus gelegen ist. Sentil Kummar beispielsweise ist ein junger Tourismus-Manager in Munnar. Er bietet in Zusammenarbeit mit der Forstbehörde verschiedenste, auch mehrtägige Trekking-Touren in der Umgebung des Anamudi an. So kann man beispielsweise den zweithöchsten südindischen Gipfel, den Meesapulimalai (2.663 m) relativ einfach an einem Tag besteigen, muss aber auch eine holprige Fahrt mit dem Landrover über sich ergehen lassen. Es gibt zwar in dieser Region gewaltige Granitwände, die das Klettererherz höher schlagen lassen. Die Gipfel sind aber nicht sehr schroff und meist ohne ganz große Strapazen zu erreichen. Belohnt wird man mit einem herrlichen Blick und dem in Indien seltenen Luxus einmal fast ganz alleine zu sein. (Kerala Forest Development Corporation, Munnar, www.kfdcmunnar.com, kfdcmnr@sancharnet.in). Pinienwälder und Rhotodendronhaine sind nur ein kleiner Teil der verschwenderisch schönen Natur. Aber auch, wer keine bergsteigerischen Ambitionen hat, kann sich bei einer Fahrt mit der Taxe oder der Rikscha zu malerischen Aussichtspunkten fahren lassen.

Die Doppelstadt Cochi /Ernakulum hat einen gewaltigen Seehafen und eine malerische, zum teil leider verfallende Altstadt. Allerdings hat der Tourismus auch hier dazu geführt, dass manche Häuserzeile renoviert wird. Frustrierend ist dann allerdings, dass in vielen Antiquitätengeschäften der Ausverkauf der keralesischen Kultur zu beobachten ist. Bis hin zum vollständigen traditionellen keralischen Haus, kann der wohlhabende Besucher alles kaufen und nach Übersee schiffen lassen. Dabei wird aber auch manch ein Kenner nicht selten „übers Ohr gehauen“. Beim Handel gilt, insbesondere mit den überall zu findenden Ladenbesitzern  aus Kaschmir: Zunächst nach dem Preis fragen, dann lachend oder empört höchstens die Hälfte bieten, um sich nach viel Palaver irgendwo in der Mitte zu einigen. Besonders günstig kann man all die Produkte erwerben, die bei geringen Lohnkosten in Indien selbst produziert werden (Leder, Schmuck, Kunsthandwerk...) Am besten fragt man ein paar freundliche Durchschnittsinder auf der Straße, welche Läden sie einem empfehlen und was man normalerweise für die Gegenstände ausgeben muss, die man sich zuvor ausgeguckt hat. Immer und in allen großen Städten empfehlen sich die sogenannten Regierungsläden. In Trivandrum beispielsweise der SMSM Shop. Dort gibt es Textilien, Schmuck und Kunsthandwerk in riesiger Auswahl zu festen und fairen Preisen.

Kerala ist eine Hochburg der klassischen indischen Heilkunde Ayurveda. Was allerdings in Europa und den USA den Anschein des Schicken und Esoterischen hat, ist hier eine absolute Gebrauchsmedizin. Allein im Ayurveda Hospital in Trivandrum mit angeschlossener Hochschule werden täglich bis zu viertausend Patienten behandelt. Ich durfte dieses Haus besuchen. Ayurveda setzt auf die Bestandteile zahlloser Heilpflanzen, auf den Einsatz von Dampf, von Ölen und Massagen. Dies wird durchaus auch mit den Erkenntnissen der westlichen Schulmedizin kombiniert. Angestrebt wird keine kurzfristige Behebung des Übels durch besonders starke chemische Dosen, sondern eine sanftere, dafür aber nachhaltige Verbesserung des Zustandes der Patienten. So will man beispielsweise schizophrene Patienten nicht nur „chemisch einstellen“, sondern hofft sie auch heilen zu können. Gleichzeitig wird aber in der Chirurgie beispielsweise so operiert, wie auch wir das kennen. Stolz zeigte mir ein Patient seinen gerade abgeschnittenen Zeh in Alkohollösung. Etwas gequält lächelte ich zurück. Was immer man von dieser Form der Naturmedizin hält, hier gilt sie als Alltäglichkeit. Man darf sich jedoch keine allzu romantischen Vorstellungen von einer einheimischen Ayurveda Klinik machen. Indien ist in vielen Bereichen noch immer ein Entwicklungsland und entsprechend war die Ausstattung und der Hygienestandart des Hauses, das ich besichtigen konnte. Dafür wiederum hat man keine Probleme mit multiresistenten Keimen, wie das in unseren überdesinfizierten Krankenhäusern inzwischen oft vorkommen. Dr. Vinod Kumar, der in den Hotels in Kovalam auch Touristen behandelt (Health Care LTD., vinoddrvary@yahoo.com) lächelt über meine Hygienebedenken. „Bei uns sind die Leute nicht so empfindlich“. Auch findet er es amüsant, dass die aufsteigende indische Mittelklasse nach Europa zu dortigen medizinischen Spezialisten eilt, während sich viele Westler das Heil von der alten indischen Medizin erhoffen. „Auf die richtige Mischung käme es an“, wurde ich belehrt. Und: Studieren würden Ayurveda mehr Frauen, weil sie mehr „bookish“ (buchorientiert) und gute Ärzte sein. Handwerkliche Dinge, so beispielsweise die Chirurgie läge eher den Männern.

Beim indischen Essen stimmt die Mischung eigentlich fast immer. In Kerala kann man fast überall fantastisch und sehr günstig speisen. Selbst wenn man kein Vegetarier ist, wird man hier eine so große Vielfalt an vegetarischer Küche finden, dass man es sich vielleicht überlegt. Die Fleischkarte verzichtet meist auf Rind und oft auch auf Schwein. Dafür gibt es an der Küste und auch im Landesinneren die köstlichsten Fischspezialitäten. Wie eine Perlenkette reihen sich die Fischerboote nächtens an der keralischen Küste. Ungewohnt ist dem Besucher, dass die meisten Inder nach wie vor mit der Hand essen. Aber man wird nicht komisch angesehen, wenn man nach einem Besteck fragt. Zu den Besonderheiten Keralas gehört darüber hinaus der traditionelle Kathakali Tanz. Dabei werden mit aufwendigsten Kostümen und einer detailbesessenen Mimik und Gestik Episoden aus den hinduistischen Mythen nacherzählt. Besucher müssen nicht an den stundenlangen seltenen Tempelaufführungen teilnehmen, sondern finden in den großen Städten zeitlich begrenzte Vorstellungen. Einfach im Hotel fragen.

Die Aufzählung von Erlebenswertem, von Baudenkmälern, Tempeln und schönen Flecken ließe sich noch lange fortsetzen. Es empfiehlt sich sehr vor Reisebeginn ausgiebig einen guten Führer zu studieren. Ganz neu erschienen ist „Kerala mit Mumbai und Madurai“ aus dem Reise Know-How Verlag (17,50 Euro). Hier finden sich auch zahllose zusätzliche Erklärungen zu Geschichte, Verhaltensweisen und sehr viele praktische Tipps. Ärgerlich ist höchstens, dass im Artikel über das immer wieder gegenwärtige Elend vieler Menschen ein wenig zu schnell auf den hinduistischen Gleichmut verwiesen wird. Weil man sich eben so oder so im letzten Leben verhalten habe, müsse man nun das jeweilige Schicksal annehmen. Vor dieser grundsätzlichen religiösen Einstellung kann man durchaus Respekt haben. In Indien, auch in Kerala erlebt man aber auch immer wieder, dass sie von Profiteuren besonders betont wird, um an den teilweise unerträglichen Zuständen nichts ändern zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

Weitere Informationen unter www.keralatourism.org


Zwei Fahrtenberichte aus der Sektion Berlin des Deutschen Alpenvereins (Sommer 2003)

An zwei Sektionsfahrten konnte ich in diesem Sommer teilnehmen uns beide waren so erlebnisreich, dass hier eine kurze Würdigung erfolgen soll. Vom 15. bis zum 21.Juni ging es unter Leitung von Bernd Schröder in die Ötztaler Alpen. Oberhalb der Martin Busch Hütte errichteten ein gutes Dutzend Berliner auf dem Marzellferner ihr Zeltlager, um eine „Trainingswoche für Höhenbergsteiger“ zu absolvieren. Eine Reihe der Teilnehmer plante zu diesem Zeitpunkt eine Erstbesteigung in Kirgistan und aus den Vorbereitungen hatte man eine Sektionsfahrt gemacht. Die Zusammensetzung der Gruppe war unterschiedlich. Neben „Sektionscracks“ gab es auch „Zöglinge“, was aber dem Ablauf dienlich war. Bei insgesamt gutem Wetter wurde das volle Programm absolviert. Dazu gehörten Sicherungstechniken im Eis, Spaltenbergung, Eisklettern, anspruchsvolle Seilschaften und das nicht alltägliche Organisieren des Lagerlebens auf dem Gletscher in 2800 Meter Höhe bei gelegentlich kühlen Winden und morgendlich kalten und feuchten Schuhen. Nach anfänglichem Durcheinander sorgte ein abend- und morgendliches Pow How für die notwendigen Absprachen in Bezug auf Tourenplanung, Ausbildungswünschen und anderen Fragen. Dies war im Gegensatz zu detailliert vorausgeplanten Tourenwochen gewünscht und sicher für alle Teilnehmer eine interessante Erfahrung mit sozialer Komponente. Erfahren haben die meisten auch, dass bei nicht genauer Planung der Lebensmittelvorräte durchgehend alle Teilnehmer aus Angst vor dem Hungertod viel zu viel Vorräte mühevoll mitschleppen. Sportliche Höhepunkte waren die Begehung von zwei Eiswänden an der Hinteren Schwärze und die gemeinsame Besteigung des Similaun (3.600 m). Insbesondere die Zweierseilschaft Kirsten Wolf und Daniel Kreutzer glänzten durch ihre Begehung der steilen und langen Marzell-Nordwand und der anschließenden Besteigung des Similaun. Zwischendurch musste Kirsten im Eis gar ein defektes Steigeisen reparieren. Ein Teil der Gruppe beteiligte sich auch einen Tag an den Wege- und Hüttenarbeiten auf der Martin Busch Hütte. Keine gemütlichen, aber sehr ereignis- und lehrreiche Tage.

Am 15. August krönten ich meine bisherige Hobbybergsteigerkarriere mit der Besteigung des Piz Palü in der Bernina Gruppe. Das war Bestandteil, Abschluss und Höhepunkt einer Hochtourenwoche, die Clemens Beckers, Fachübungsleiter für Hochtouren angeboten hat. Treffpunkt war Sonntag der 10. August an der Corvatsch Bahn bei St. Moritz. Über Coaz Hütte, Tschiervahütte, Bovalhütte und die Gipfel Piz Capütschin und Piz Morteratsch arbeiteten wir uns Richtung Diavolezzahaus vor. Von dort erfolgte bei erstmals nicht ganz sonnigem Wetter und zeitweiligem leichtem Schneefall die Besteigung des film- und mythenumrankten Palü. Die fünfköpfige Gruppe harmonisierte sehr gut, wiewohl man sich auch hier auf leicht unterschiedliche Standards in Kondition und Erfahrung einstellen musste. Dabei lernte man aber nicht nur von Clemens großer Erfahrung und ruhiger und kompetenter Führungstechnik, sondern auch voneinander. Die Höhepunkte waren zahlreich: Zunächst die gewaltigen Gletscher, deren Größe trotz der massiven Rückgänge und dem Ausapern immer noch beeindruckt. Die Begehung von Eisgraten und furchterregend wirkendem Eisbruchgelände mit und ohne Extrasicherung (natürlich immer am Seil mit Pickel und Steigeisen), kostete alle das gewisse Extra an Mut, dass die alpine Umgebung erfordert. Ein kleinerer Sturz eines Teilnehmers und ein Beinahe-Sturz in das Wasser eines sehr kräftigen Gletscherbaches zeigte uns, dass es oft die scheinbar entspannten Momente im Abstieg oder bei Hüttenübergängen sind, in denen man sich nicht zu sicher und übermütig fühlen sollte. Die längste Tour dauerte fast 15 Stunden. Das war aber eine Ausnahme, da sehr viel zwischengesichert werden musste. Eis, leichte Kletterei, Abseilen und viele andere Herausforderungen machten aber auch diesen „Ratsch“ letztlich kurzweilig. Ein Preisvergleich mit den Teilnehmern einer DAV Summit Gruppe, die zur gleichen Zeit eine ähnliche Runde lief belegte, dass man trotz der teuren Schweizer Hütten (I.d.R. 55 Franken für die Halbpension) mit einer vergleichbaren Sektionsfahrt immer noch mehr als ein Drittel günstiger liegt, aber natürlich weniger Terminoptionen hat.      (Erschienen im "Berliner Bergsteiger Nov/Dez 2003).

Weitere Informationen: www.alpenverein-berlin.de


Nepal - Wintertrekking am Mount Everest mit dem DAV Summit Club (1999 / 2000) 

Für gewöhnlich beginnt die Verklärung eines Wanderurlaubs, wenn man nach der Rückkehr die Fotos in den Händen hält. Dann sieht man nur die schönen Momente und die schönen Panoramen. Die Anstrengungen sind vergessen und der Semi- oder Vollalpinist beginnt sehnsüchtig auf die nächste Bergfahrt zu warten. Nach der ersten Trekkingtour im Himalaya dauert das etwas länger. Eine vierzehntägige Rundwanderung in einer Höhe zwischen 3000 und  4200 Meter ist keine alpine Klettertour, aber auch für geübte Wanderfreunde nicht immer ein Zuckerschlecken. Selbst bei ausreichender Akklimatisation kann die Höhe dem Organismus kräftig zusetzen. Oft trifft es gerade sportliche Menschen, die damit zuletzt gerechnet haben und dann mit Atembeschwerden und Unwohlsein enttäuscht absteigen, oder gar ausgeflogen werden müssen. Bei einem Wintertrekking in der Solu Khumbu Bergregion kann einem außerdem die trockene Luft, der Staub und die nächtliche Kälte erheblich zusetzen. Ein ordentlicher Thermoschlafsack (bis minus 15 Grad) und ausreichend warme Kleidung sind ein Muss. Dann allerdings kann man sich in den Monaten zwischen Oktober und Januar an stabilen winterlichen Hochdruckwetterlagen und einem fantastischen Blick auf die Eisgiganten des höchsten Gebirges der Welt erfreuen. Mount Everest (8848 m) Lhotse, Ama Dablam und ungezählte andere Gipfel entschädigen für manche Anstrengung.

Ein “Lodge-Trekking”, also ein Trekking von Hütte zu Hütte in der Everest Region beginnt wie jeder Bergurlaub im Königreich  Nepal mit der Anreise in die Hauptstadt Kathmandu. 11 Stunden dauert der Flug von Deutschland. Auf 1300 Meter Höhe gelegen, am Nordrand des indischen Subkontinents und ca. 160 Kilometer vom höchsten Punkt der Erde entfernt, ist die Stadt voller Widersprüche. Hemmungslose Umweltverschmutzung, zügelloser Zuzug Landflüchtiger und rücksichtslose Bautätigkeit einerseits; andererseits ein Hort kultureller Schätze, quirliger Lebendigkeit und überaus freundlicher Menschen. Selbst wenn man noch nie in einer asiatischen Stadt und einer Metropole eines Entwicklungslandes war, so fühlt man sich in Nepal fast immer sicher. Eigentlich besteht die Stadt im Kathmandutal aus zwei (zusammengewachsenen) der drei historischen Königsstädte Patan und Kathmandu. Die dritte, etwas weiter östlich gelegene, ist Bhaktapur, deren historisches Tempel- und Palastviertel in den letzten Jahren mit deutscher Hilfe restauriert wurde. Historische Viertel gibt es in allen drei Städten und sie gehören zum touristischen Pflichtprogramm. Allerdings ist es ein Vorteil, wenn man mehr als die üblichen zwei bis drei An- und Abreisetage erübrigen kann, die normalerweise bei den Bergreiseangeboten deutscher Veranstalter vorgesehen sind. Entdeckungstouren auf eigene Faust sind ergiebig aber wegen des dichten Verkehr und Smogs oft  auch anstrengend. Man benötigt die Erholungspausen im Hotel, wo Salate und Früchte sorgloser  genossen werden können. Sorgfältige Impfungen und Vorsicht beim Umgang mit Lebensmitteln sind Voraussetzung für einen sorglosen Urlaub. Die Museen und Ausstellungen entsprechen gewiss nicht dem neuesten Stand deutscher Präsentationspädagogik, aber sie vermitteln einen tiefen Einblick in die uralte Kultur dieses kleinen Landes mit seinen 20 Millionen Einwohnern zwischen den rivalisierenden Riesen Indien und China.  Trotz aller Armut muss niemand hungern. Das Land wird extensiv bewirtschaftet, was aber auch zu einer starken Entwaldung und Erosionsproblemen führt.

Zahllosen Tempel, vom kleinsten Steinheiligtum an der Ecke bis zu den gewaltigen Holz- und Steinkonstruktionen im Pagodenstil mit ihren filigranen Schnitzarbeiten sind in ständigem Gebrauch. Sei es für die täglichen Rituale, oder um die Wäscheleinen an ihnen zu spannen. Mitunter zur Verwunderung westlicher Besucher, die in Nepal spirituelle Erleuchtung suchen und vor Ort feststellen, dass es wie bei uns die profanen Seiten des religiösen Lebens gibt. Auch hier, wie überall in Asien ist einerseits die Verweltlichung und andererseits das Christentum auf dem Vormarsch. Beherrschend ist in Nepal aber die undurchdringliche Melange von Hinduismus und Buddhismus. Der vergöttlichte Meister Buddha, eigentlich vor 2500 Jahren Gründer einer atheistischen Meditationsbewegung, die es dem Mönch ermöglichen sollte, der endlosen und qualvollen Kette von Wiedergeburten zu entkommen, ist hier allgegenwärtig. Während der islamischen Eroberungswellen wurden die buddhistischen Klöster in Indien vernichtet, während die Hindukulte - in der Familie praktiziert – weniger angreifbar waren. In den nepalesischen Tälern jedoch überlebten die buddhistischen Klöster unterschiedlichster Lehrschulen. Buddha wird dort aber auch als hinduistische Gottheit verschiedenster Ausprägungen verehrt. Dies entwickelte sich im Volksglauben. Im Vergleich zu Indien spürt man die größere kulturelle Toleranz, die aus diesen Traditionen gespeist wird. Frauen beispielsweise bewegen sich selbstbewusst und  reich geschmückt in der Öffentlichkeit und an den Tempeln. Fundamentalistische Hindubewegungen sind in Nepal kaum aktiv. Trotzdem beherrscht das Kastensystem auch hier noch viele Lebensbereiche. Die Ehen werden überwiegend nach Standes- und Vermögenserwägungen von den Eltern arrangiert. Dabei sind sie wohl nicht mehr und nicht weniger gelungen wie in unseren Breitengraden. Nepal hat ein Herrscherhaus, ist aber überwiegend eine konstitutionelle Monarchie. Kongress- und Kommunistische Partei repräsentieren die beiden stärksten Lager im Parlament. Das König spielt aber noch immer eine wichtige Rolle auch als religiöses Oberhaupt und wird weithin geachtet.

Zu den beliebtesten Trekkingregionen gehören vor allem die Gegend um den Annapurna (8091 m) und natürlich das Everest Gebiet. Von Kathmandu aus fliegen zweimotorigen Twin-Otter Maschinen die kleine Bergflugpiste in Lukla (2805 m) an. Der Landeanflug kann ruppig sein und dann ist man froh das abenteuerliche Geschaukel überstanden zu haben. Von Lukla aus zieht sich der Weg durch langgezogene, zumeist weite Täler am Dudh Kosi, dem „Milchfluß“ entlang, in dem sich das eiskalte Wasser aus den Bergregionen reißend talwärts ergießt. Von Lukla bis zum Mount Everest Basislager (5400 m), von dem aus im Frühjahr die meisten Expeditionen ihre Gipfelversuche unternehmen, kann man in gut fünf Marschtagen gelangen. Die meisten Besucher laufen nicht so weit. Sie marschieren - zahllose hohe Hängebrücken vorsichtig überquerend - bis zum berühmten Kloster Tengpoche in 3900 Metern Höhe oder besuchen ausgiebig die langgedehnten Seitentäler mit ihren jeweils eigenen dramatischen Bergkulissen. Das lohnt sich schon deshalb, weil der Andrang der Bergtouristen in den letzten Jahren enorm gewachsen ist. Die Seitentäler dagegen sind weniger überfüllt. Tausende von Trekkern und Einheimischen bevölkern in der Hochsaison im Frühjahr die teilweise sehr engen Bergpfade. Auf diesen wird fast alles befördert, was so viele Menschen in den kargeren Höhen benötigen. Sogar Kerosin und Feuerholz. Das Abholzen der wertvollen Schutzwälder ist inzwischen strengstens verboten. Yaks und Yak-Kuh Kreuzungen dienen dabei als Tragetiere, die rücksichtslos ihres Weges trampeln oder mit Tritten getrieben werden. Trotz ihres posierlichen Aussehens muss man sehr aufpassen. Nur allzu leicht kann man von so einem stoischen Viech in den Graben oder gar den Abgrund gestoßen werden, wenn man sich bei Annäherung nicht flugs gegen die Bergwand drückt. Die Mehrzahl der Lasten werden auch heute nicht von Hubschraubern, sondern auf menschlichen Rücken getragen. Bis zu 65 Kilogramm muss ein einheimischer Träger „buckeln“ und verdient dafür cirka 300 nepalesische Rupien, also weniger als 10 Mark am Tag. Obwohl das also normal gilt haben es die Träger und Führer, die Touristen betreuen meist leichter. Deren Ausrüstung, wenn es sich nicht gerade um Expeditionen handelt, ist selten so schwer. Aber nur wenige Reiseveranstalter, wie beispielsweise der Summit Club des Deutschen Alpenvereins zahlen auch für sie eine Versicherung und notfalls einen Rettungsflug.

Der Trekkingtourismus hat einen gewissen Wohlstand in die Solo Khumbu Region mit ihren geschätzten 30.000 Einwohnern gebracht. Solarstromanlagen, Satelitentelefon, ein österreichisches Wasserkraftwerk und die Stiftungen des Everest Erstbesteigers Sir Edmund Hillary (Schule, Krankenhaus...) machen das Leben etwas leichter. Trotzdem zeugen die vielen terrassenartig angelegten Felder, die Steinmauern und die sorgfältig angelegten Vorratshaufen von Holz, Laub (für das Vieh) oder die Kartoffelmieten vom harten bäuerlichen Erwerb. Fast bis an die Schneefallgrenze versucht das Volk der Sherpa dem Boden irgendetwas abzutrotzen. Und wenn es nur karges Gestrüpp für das genügsame Rindvieh ist. Sherpa ist der Name für das Bergvolk, aber auch die Berufsbezeichnung für die einheimischen Bergführer und somit fast schon eine Kastenbezeichnung. Zu den privilegierten unter ihnen gehören die sogenannten „sidar Sherpas“ also diejenigen, die Expeditionen bis auf die Gipfel der Achttausender im Ewigen Schnee führen. Mehrere tausend Dollar Prämie kann es geben, wenn man erfolgreich bei einem Gipfelsturm die ausländischen Gäste begleitet hat. Die Teilnahme an einer kommerziellen Everest Expedition beispielsweise kostet einen wollhabenden Bergsteiger heutzutage um die 80.000,- bis 100.000,- Mark. Gelangt man zufällig in eines der Häuser so eines erfolgreichen Bergführers, begegnet man oft ausgiebiger Bautätigkeit. Dabei wird Stein für Stein behauen und penibel in das Mauerwerk eingefügt. Beton und Zement sind schwer zu transportieren und rar. Lediglich drei Luxushotels für überwiegend japanische Touristen (inklusive Hubschrauberlandeplatz und Sauerstoffduschen im Zimmer) wurden, außerirdischen Raumschiffen gleich, in moderner Bauweise oberhalb des Ortes Namche Basar errichtet.

Der Hauptort der Region hat etwa 2000 Bewohner und wandelte sich von einem großen Dorf zum zentralen Knotenpunkt des Trekkingbetriebes. Eindrucksvoll „klebt“ der geschäftige Marktflecken in einem gewaltigen natürlichen Amphitheater. Andere Dörfer und kleine Orte schmiegen sich nicht minder fotogen auf Bergrücken oder hängen auf terrassenartigen Vorsprüngen über tiefen Schluchten. Dazu kommt der sichtbare kulturelle Einfluss des benachbarten, von den Chinesen besetzten Tibets. Ständig begegnet man tibetanischen Flüchtlingen und Händlern. Aus dem Schauen kommt der Besucher nie heraus. Das Panorama ist gewaltig und das Licht des Tagesablaufes spielt in zahllosen Facetten auf den Schneefeldern der Berge und in der dunstigen Nachmittagsluft. Noch malerischer soll ein Marsch durch die endlosen Rhododendron- und Magnolienwälder im Frühjahr und während der sommerlichen Regenzeit sein, wenn alles in voller Pracht steht. Dann allerdings ist die Gegend voller Besucher und manches Wild, dass sich im Winter beobachten lässt, entzieht sich den Blicken. Im kargeren Winter gelingt ein Blick auf einen Moschushirsch, eine Bergziege oder die farbenprächtigen Fasane leichter.

Das Leben in den Lodges, den Unterkunftshütten ist einfach. Meist bezieht der Besucher kleine Räume oder Verschläge mit zwei Liegen, auf denen man den Schlafsack ausbreiten kann. Luxus gibt es nicht, wird aber auch nicht erwartet. Die sanitären Anlagen beschränken sich auf das klassische Stehplumpsklo und es empfiehlt sich die Benutzung in schlaftrunkener Frühe, wenn alles noch hygienisch sauber eingefroren ist. Man gewöhnt sich an fast alles und freut sich schon, wenn der Kanonenofen in der Gaststube wenigstens bis 20 Uhr mit Holz oder getrocknetem Dung beheizt wird. Ebenso spielt sich das Leben in den oft normalen ein- bis zweigeschossigen Häusern zumeist im großen Wohnraum ab, in dem die ganze Familie schläft. Gemütlich warm, nach unseren Maßstäben  ist es dann auch zur Winterzeit nicht. In der Regel zieht der müde Wanderer sich aber gegen 21 Uhr sowieso in die Schlafsäcke zurück und ist bemüht nachts nicht allzu häufig desen wärmende Hülle zu verlassen. Ist das unvermeidlich, so kann man immerhin durch einen unfassbar klaren Sternenhimmel und die dunklen Schatten majestätisch dräuender Berge entschädigt werden.

Das Trekken selber beginnt jeden Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück und dauert zumeist sechs bis sieben Stunden. Fast jeder unterschätzt anfangs, wie nötig der Organismus eine angemessene Zeit der Akklimatisation benötigt. Der Berg lehrt es einen sehr schnell. Ein Stück zu schnell gerannt, muss man sich bald schnaufend regenerieren. Wer es anfangs langsam angehen lässt, holt die Vorangepreschten bald wieder ein. Gute Führer lassen sich Zeit und in Gruppen wird oft darauf geachtet, dass am Kolonnenende ein Träger aufpasst. Als unverzichtbar erweist sich bald die mittägliche Nudelsuppe mit viel Salz, Knoblauch und entsprechend Kohlehydraten. Vorsichtig sollte man mit den einheimischen Gewürzen sein. Denn Fehler, frischgestampften Chilli zu verwenden, macht man als Nicht-Einheimischer meist nur einmal. Er ist wirklich sehr scharf!

Was letztlich jeder einzelne von einer solchen Wandertour im Himalaya mit nach hause nimmt ist eine kaum zu beantwortende Frage. Für den passionierten Bergwanderer ist es ein Traum, einmal im Angesicht des Mount Everest zu stehen. Eine Reise nach Nepal bietet aber auch zahllose Impulse, sich mit einer anderen Kultur und einem anderen Denken zu beschäftigen, ohne sich völlig fremdartig zu fühlen. Man darf aber auch nie vergessen, dass es sich um ein Entwicklungsland handelt und uns vieles anfänglich ungewohnt ankommt. Nepal befindet sich zweifelsohne in einem kulturellen Umbruch, aber die Freundlichkeit seiner Menschen hat darunter kaum gelitten. Hier, wie eigentlich überall, empfiehlt es sich vor Reiseantritt ausgiebig einen der zahlreich erhältlichen Reiseführer zu lesen. Die Fülle der Kultur und Landschaft, wird einen sonst erschlagen.

Weitere Informationen: www.dav-summit-club.de

 
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